Verbandstag 2010 in Bruchsal

Lange Diskussionen – klare Entscheidungen

Unter diesem Motto könnte man den Verbandstag 2010 zusammenfassen. Doch beginnen wir von vorne.

Auf der verschickten Tagesordnung standen 16 Tagesordnungspunkte, denen man sich im Laufe des Tages widmen wollte. Die Unterlagen zum Verbandstag sind übrigens zum ersten Mal auch online abrufbar (http://www.sc-ebringen.de/Verbandstag-2010.pdf – Achtung: 8,8 MB groß!).

Die Berichte der Präsidiumsmitglieder lagen zum größten Teil schriftlich vor, so dass es wenig Überraschendes gab. Die Aussprache zu den Berichten war dementsprechend kurz. Vom vierseitigen Bericht des Schulschachreferenten Helmut Majewski wurden scheinbar nur die ersten beiden Seiten in den Unterlagen abgedruckt. Die spätere Zusage, dass die beiden fehlenden Seiten bei der Versammlung nachgereicht werden, geriet wohl leider ebenfalls in Vergessenheit. Herr Majewski meinte dazu nur, dass der Schulschach scheinbar wieder den gleichen Stellenwert genieße, wie es vor 10 Jahren der Fall war.

Wahlen

Reine Formsache waren die Entlastung des Präsidiums, die Bestätigung des neuen Senioren-Referenten und die Wiederwahl der Kassenprüfer (lt. Satzung werden diese jedes Jahr neu gewählt). Letzteres führte zu allgemeiner Erheiterung, als die Frage aufgeworfen wurde, ob der im Jahr 2009 gewählte „Ersatz-Kassenprüfer“ nicht ebenfalls neu gewählt werden solle. Man konnte sich seitens des Präsidiums sehr gut daran erinnern, dass man „für alle Fälle“ im letzten Jahr einen solchen gewählt hätte. Allerdings konnte sich niemand daran erinnern, wer damals gewählt wurde. Auch das Protokoll vom letzten Verbandstag war auf die Schnelle nicht greifbar. Daher wurde kurzerhand der ehemalige Schatzmeister Martin Rothmund zu einem solchen „Ersatz-Kassenprüfer“ gewählt.
Heute kann ich es nachreichen: in den Protokollen der Verbandstage 2008 und 2009 wird nur von den beiden bekannten Kassenprüfern Matthias Herrmann und Walter Weindel gesprochen – von einem Ersatzmann ist keine Spur zu finden.

Einführung eines Passivbeitrages

Es folgten die Anträge des Präsidiums (Änderung der Finanzordnung, Satzungsänderungen) und die Änderungen in der Turnierordnung, welche der Landesspielausschuss (LSA) beschlossen hatte. Mit großer Mehrheit stimmte der Verbandstag der Einführung eines gesonderten Beitrages für passive Vereinsmitglieder zu. Der Deutsche Schachbund hat sich mit der Einführung einer solchen Regelung einverstanden erklärt, sofern die Beitragszahlung an den DSB insgesamt konstant bleibt. Also eine klassische Nullsummenlösung für den Bundesverband. Der abgesenkte Beitrag wird zukünftig bei 9 € (zzgl. Beitrag für den Sportbund) liegen. Es wird für den anteiligen DSB-Beitrag in einem ersten Schritt ausgerechnet, wie hoch die Beiträge der neuen Passivmitglieder ausfallen. Im zweiten Schritt wird dann der Beitrag für die Aktiv-Mitglieder ermittelt (Differenz aus Gesamtzahlung des Vorjahres und Summe der Passivbeiträge).

Der BSV verspricht sich davon ein wenig mehr „Beitragsehrlichkeit“ und zumindest eine Stabilisierung der Mitgliederzahlen. Dieses Pilotprojekt in Sachen Passivbeitrag wird deutschlandweit mit Spannung verfolgt werden, nachdem die ersten Vorstöße in diese Richtung vor gut 10 bis 15 Jahren in den anderen Landesverbänden erfolglos blieben. Gleichzeitig hat der Verbandstag dem Präsidium das Recht eingeräumt, bei Unterschieden zwischen den Mitgliederzahlen im BSV und der Meldung an den Sportbund, die höhere Zahl für die Beitragszahlung zu Grunde zu legen und die „neuen“ Vereinsmitglieder mit dem Passivbeitrag zu berechnen.

Änderungen in der Turnierordnung bzw. alles bleibt beim Alten

Bei den Änderungen der Turnierordnung (TO) gab es im Wesentlichen nur zwei umstrittene Neuregelungen. Die wurden dafür umso heftiger diskutiert. Zum Verständnis sei nochmals kurz erklärt, wie diese Regeländerungen durch den LSA funktionieren. Ein Beschluss des LSA tritt automatisch in Kraft, wenn auf dem Verbandstag kein Widerspruch erfolgt. Gegen die zwei erwähnten Änderungen hatte jeweils Bad Mergentheim Widerspruch eingelegt.

Die Änderung in H-2.2 der TO sollte es verbieten, dass in einer Spielklasse mehr als eine Mannschaft eines Vereines spielberechtigt sein kann. Derzeit sind maximal zwei Mannschaften eines Vereines zulässig. Hintergrund der Neuregelung: im Spiel KSF 2 gegen KSF 3 in der ersten Runde im Bezirk Karlsruhe trat die zweite Mannschaft mit den ersten vier regulären Spielern an, die Bretter fünf bis acht wurden mit schwächeren Spielern besetzt. Die dritte Mannschaft trat nur zu viert an. Durch diese taktische Aufstellung spielte KSF 4 eine Liga darunter quasi in der Besetzung von KSF 2,5 und gewann die Begegnung haushoch. Mit dieser Taktik wurde ein Konkurrent letztlich um den Aufstieg „betrogen“. Es sei aber nochmals erwähnt, dass der KSF vollkommen in Übereinstimmung mit den aktuellen Regelungen der Turnierordnung agiert hat.
Theoretisch wäre es mit der neuen Regelung möglich, dass mehrere Mannschaften einen Zwangsabstieg hinnehmen müssten, weil z.B. eine Verbandsliga-Mannschaft in die Landesliga absteigt und der Verein auch in allen nachfolgenden Klassen mit einer Mannschaft vertreten ist. Nach sehr langer Diskussion wurde die Abstimmung zugunsten der Mittagspause kurzfristig verschoben. Anschließend sprachen sich 46 Teilnehmer gegen die Änderung aus, nur 13 Teilnehmer stimmten dafür.

Die zweite Neuregelung betraf das sogenannte „Festspielen“ in einer höheren Mannschaft (H-2.6.2 der TO). Aus „mehr als viermal“ in einer höheren Mannschaft sollte „mehr als dreimal“ werden. Begründung hierfür war das Problem, dass nicht in jeder Saison alle Termine der Bundesligen (und damit auch der Oberliga) genau einem Termin der Verbandsspieltage zugeordnet werden können -sogenannte Sperrtermine- um ein Doppelspiel zu verhindern („Kein Spieler darf an einem Wochenende mehr als einmal eingesetzt werden“ in H-2.6.4). So ist es oft der Fall, dass in der 5. Verbandsrunde die Oberliga-Spieler frei in den unteren Mannschaften eingesetzt werden können, weil die Oberliga Anfang Januar gerade ihre Winterpause einlegt. Die Oberliga-Spieler kommen so oft auf 10 Einsätze pro Saison und sorgen für Wettbewerbsverzerrungen. Auch dieser Punkt wurde heftig diskutiert. Die Begründung von Herrn Pfleger (Bad Mergentheim) für seinen Widerspruch war, dass das Spielrecht nicht noch weiter eingeschränkt werden soll. Es sei oft schwer genug acht Spieler für jede Mannschaft zu finden. Schließlich wurde auch dieser Regeländerung des LSA vom Verbandstag widersprochen. Es bleibt also alles beim Alten.

Zum Schluss wurde noch bekannt gegeben, dass der Verbandstag 2011 in Neumühl in der Ortenau stattfinden wird.

Soweit der sportliche Bericht vom Verbandstag in Bruchsal. Im Anschluss gab es die Festveranstaltung zum 100jährigen Jubiläum des BSV. Hierzu wird es jedoch bestimmt bald einen Bericht auf der Homepage des BSV zu finden sein.