Bericht zum Verbandstag 2011 in Neumühl


Auch dieses Jahr möchte ich wieder eine kleine Zusammenfassung des Verbandstages – dem obersten Organ unseres Schachverbandes – für diejenigen liefern, die nicht selbst dabei sein konnten. Er fand heute, am 28.05.2011 in Neumühl statt, einem Ortsteil der Stadt Kehl (Bezirk Ortenau). Die Materialien zur Bezirksversammlung können übrigens hier nachgelesen werden: bsv-Verbandstag_2011 (PDF-Format – ca. 760 kb groß).

Neben dem Bezirksvorsitzenden Hans-Peter Rothmund (der kraft seines Amtes Stimmrecht im Verbandstag hat) dürfen wir vier Delegierte zum Verbandstag entsenden, welche die Interessen des Bezirks Hochrhein vertreten dürfen. Aus terminlichen Gründen konnte Martin Rothmund leider nicht nach Kehl kommen, so dass der Bezirk von Thomas Schätzle, Markus Haag und von mir vertreten wurde.

Zunächst standen die Grußworte der Vertreter des Deutschen Schachbundes, der Deutschen Schachjugend, der Stadt Kehl und des ausrichtenden Vereines auf dem Programm. Neben der Verleihung von zwei Ehrennadeln wurden Frank Schmidt (Autor der Chronik, die letztes Jahr aufgelegt wurde) und Siegfried Stolle (Ausbildungsleiter, Vizepräsident, Beauftragter für Sportbundangelegenheiten) zu Ehrenmitgliedern ernannt.

Zu den einzelnen Berichten der Präsidiumsmitglieder und Referenten gab es keine weitere Aussprachen mehr, so dass die Entlastung des Präsidiums auch einstimmig erfolgte. Die beiden bisherigen Kassenprüfer hatten um ihre Ablösung gebeten, weshalb Andreas Baur (SF Rot) und Reiner Denz (SC Neumühl) zu ihren Nachfolgern gewählt wurden.

Damit kamen wir dann zum spannenderen Teil – den Satzungsänderungen, Änderungen in der Verfahrensordnung und den Änderungen in der Turnierordnung.

Wie eigentlich in jedem Jahr wurde die Frage aufgeworfen, welche Mehrheit für eine Satzungsänderung erforderlich sei. Die Satzung spricht an der entscheidenden Stelle lediglich von "zwei Drittel der abgegebenen Stimmen". Allgemein zum Thema "Beschlüsse und Wahlen" regelt die Satzung allerdings, dass nur die Mehrheit der "abgegebenen Ja- und Nein-Stimmen" zu berücksichtigen sei. Während der Mittagspause einigten sich die Juristen und "Jura-Laien" wie z.B. mir selbst schließlich doch darauf, dass Enthaltungen nicht als abgegebene Stimmen zählen. Ich hoffe, dass sich nächstes Jahr in Lahr (Verbandstag am 16.06.2012) noch jemand daran erinnern kann und das Spiel nicht wieder von vorne beginnt.

Die wichtigsten Satzungsänderungen in Stichworten:

  • der Schatzmeister wird umbenannt in "Vizepräsident Finanzen"
  • der Landesturnierleiter erhält die Bezeichnung "Sportdirektor"
  • der "Leiter für Pressewesen und Öffentlichkeitsarbeit" wird vom Referenten aufgewertet zum Mitglied des Präsidiums (derzeit vakant)
  • das Präsidium ist erst mit 5 Mitgliedern beschlussfähig (bisher 4)
  • der Referent für Datenverarbeitung wird zum "Referent für Mitgliederverwaltung"
  • der Landesspielausschuss wird aufgesplittet in einen Turnierordnungsausschuss (nur noch für Turnierordnung und Spieltermine zuständig) und in einen Sportausschuss (für alle Turniere inhaltlich verantwortlich)
  • über Freiplatzvergaben entscheidet zukünftig der Sportdirektor (wurde inoffiziell schon immer so gemacht)

Änderungen in der Verfahrensordnung:

  • wer rechtzeitig (72 Stunden vorher) einen Mannschaftskampf absagt, dem wird das Bußgeld ab der nächsten Saison um nur noch 40% statt wie bisher um 50% abgesenkt.
  • für das Freilassen von mehr als 2 Brettern wird zukünftig für jedes weitere Brett ein Bußgeld erhoben, wenn es sich nicht um die unterste Mannschaft eines Vereines handelt (25 Euro in der Verbandsliga und 15 Euro in Landesliga und Bereichsliga – auf Bezirksebene wird von Bußgeldern abgesehen)

wesentliche Änderungen in der Turnierordnung:

  • Neuordnung der Ligenstruktur (siehe weiter unten)
  • 2011/2012 wird das Übergangsjahr werden (spezielle Abstiegsregelungen um von 3 Landesligen auf 2 zu verkleinern)
  • nachgemeldete Spieler können auf Antrag vom Sportdirektor ein Spielrecht für die unterste Mannschaft eines Vereines erhalten, wenn auf Bezirksebene keine Mannschaft des Vereines spielt

Der Landesspielausschuss hatte eine weitere wichtige Änderung beschlossen, die für den Fall des Nichtantretens zum Mannschaftskampf folgendes regeln sollte: "Zudem wird der Mannschaft, die zu einem Mannschaftskampf nicht angetreten ist, ein Mannschaftspunkt abgezogen, auch wenn sich hierdurch ein negativer Punktestand ergibt."
Da keiner mit Sicherheit sagen konnte, ob auch zu spät erscheinen (später als 30 Minuten) als Nichtantreten gilt, wurde diesem Beschluss des Landesspielausschusses widersprochen. Er wird damit nicht im nächsten Spieljahr umgesetzt und muss noch mal präziser formuliert werden.

Der letze Antrag des Präsidiums befasste sich mit einem Wechsel des offiziellen Verkündungsorgans, das bisher die Zeitschrift Rochade-Baden war. Die Schachzeitung + Jugend Schach hat dem Verband ein Angebot unterbreitet, das von den Kosten her zwar nur unwesentlich günstiger ist. Die Zeitschrift wird dem Verband monatlich 36 Seiten für Nachrichten des Verbandes und der Bezirke/Vereine reservieren und das ganze in einer tollen Optik auf Hochglanzpapier. Kein Vergleich zur teilweise sehr schlechten Druckqualität der Rochade-Baden.
Überraschend war für viele Anwesende das Versprechen, dass der Turnierkalender auch zukünftig kostenlos bleiben soll. Für größere Veranstaltungen können auch 1/4-Seiten kostenlos reserviert werden – diese Anzeigen würden dann allerdings nur einmalig erscheinen (aus Kapazitätsgründen). In der Rochade kostet eine Anzeige auf einer 1/4-Seite übrigens 124 Euro.
Mit nur einer Stimme Unterschied (27:26) wurde beschlossen, dass ab dem 01.01.2012 die Schachzeitung + Jugend Schach das Verkündungsorgan werden soll, welches die Vereine zukünftig erhalten werden (wie bisher 1 Pflichtexemplar pro Verein).

Um 17:25 Uhr wurde der Verbandstag geschlossen (Beginn war um 10:00 Uhr).
 

Nun nochmal zurück zur neuen Ligenstruktur oberhalb der Bezirksklassen:

Von der Oberliga abwärts betrachtet sollen jeweils zwei Ligen folgen. Zunächst wie bisher die Verbandsligen Nord und Süd. Darunter wird die Landesliga Nord bzw. Süd mit jeweils 2 Staffeln statt der bisherigen 3 Staffeln ausgespielt (2 x 2 = 4). Die Bereichsliga Nord bzw. Süd wird dann in 4 Staffeln ausgetragen (2 x 4 = 8). Damit soll ein einheitlicher Aufbau erreicht werden, der es zulässt, das jedes Jahr genau eine Mannschaft aufsteigt und genau zwei Mannschaften absteigen.

Die Einteilung der Staffeln in der Bereichsliga und der Landesliga erfolgt zukünftig nach regionalen Gesichtspunkten und nicht mehr nach der Bezirkszugehörigkeit eines Vereines. Das heißt, dass die einzelnen Staffeln kilometeroptimiert zusammengestellt werden. Für meinen Verein SF Wutachtal könnte das bedeuten, dass wir (je nachdem wer gerade in die Bereichsliga aufsteigt oder aus der Landesliga absteigt) im einen Jahr gegen die Freiburger Vereine spielen dürfen, im Jahr darauf dagegen nach Villingen-Schwenningen oder Tengen in den Bezirk Schwarzwald fahren müssen.

In den Unterlagen zum Verbandstag werden die Einzelheiten auf den Seiten 53 -57 ausführlich erläutert.

Kleine Ergänzung:
Ich habe gerade im Blog des SC Eppingen eine schöne Zusammenfassung des Verbandstages gefunden.

3 comments to Bericht zum Verbandstag 2011 in Neumühl

  • Erich Renschler

    hervorragende Berichterstattung, in kurzen Worten das wesentliche zusammengefaßt.

  • Stefan Stern

    Vielen Dank für das Lob. Ich hoffe, dass ich auch im nächsten Jahr wieder vom Verbandstag berichten darf.